THEMA VERY BRITISH

Die Lords1 aus Hinsbeck

Am Niederrhein stößt ein Ctub honoriger Herren bei seinen Treffen auf die Queen an. Jetzt kommt Elizabeth II. an den Rhein. Die "Friends of British Royality" wollen ihr ein Ständchen bringen.


Vorbild an guten Manieren: Die Hinsbecker Lords1 zelebrieren bei ihren Treffen in der Stammesmühle britische Lebensart auf hohem Niveau. lhre "Adelstitel" haben sie sich mit dem Erwerb von Mini-Grundstücken, im schottischen Höchmoor verdient. RP-FOTO: ANDREAS BRETZ

VON GERHARD VOOGT

HINSBECK Das Gruppenfoto hat einen Ehrenplatz im Clubzimmer. Es zeigt die Gentlemen bei einem Treffen mit der Queen. Das Bild ist im Jahr 2002 entstanden, bei einer London-Visite zum 50. Thronjubiläum von Königin Elizabeth II.. "Eine schöne Aufnahme", sagt Lord Bastian und schmunzelt. "Sie hat nur einen Schönheitsfehler. Das Bild ist bei Madame Tussauds entstanden. Die Queen ist aus Wachs."

Der Clubraum befindet sich in der Stammesmühle in Hinsbeck am Niederrhein. Hier trifft sich eine erlauchte Gesellschaft. Sechs Lords sind erschienen, sie tragen purpurrote Schärpen mit dem Wappen des Empires über dem Anzug.. Der Butler reicht Whisky. Sir Bernhard spricht einen Trinkspruch aus. "Gentlemen - the Queen."

Willkommen bei den "Friends of British Royality", der deutschen Sektion des Empires am Niederrhein. Der Club wurde 1995 gegründet. "Wir sind keine Monarchisten, sondern Freunde der englischen Lebensart", erklärt Lord Bernhard. Bei After-Eight und Hochprozentigem diskutieren die Herren über gesellschaftliche Themen - Normalerweise. An diesem Abend steht die Planung einer besonderen Mission auf dem Programm. Das Ziel: Düsseldorf. Dort wollen die Lords heute der Queen begegnen. "Diesmal ist sie nicht aus Wachs", sagt Lord Bastian und schmunzelt.

Hymne auf dem Dudelsack

Die Lords fahren mit dem Kleinbus in die Landeshauptstadt. Axel Römer, Komponist der Gruppe, will am Landtag eine Hymne auf dem Dudelsack vortragen. Auch ein A-cappella-Ständchen, haben die Lords einstudiert. "Wonderful Lady", lautet der Titel - eine Abwandlung des Titels "Wonderful Baby" von Don Me Lean.

Die Gentlemen aus Hinsbeck sind tatsächlich "echte" Lords1. Jedes Clubmitglied hat ein kleines Grundstück von einem bedrohten schottischen Hochmoor gekauft. Die Urkunde hat 21 britische Pfund gekostet. "Seitdem dürfen wir uns "Leard of Glencairn" nennen", sagt Sir Bastian. Er zeigt auf einen kleinen Erdtopf auf der Fensterbank, aus dem grüne Heide rankt. "Der ist mit dem Original-Moor unseres Grundstücks in Schottland gefüllt. " Das Kraut von der Insel wächst und gedeiht am Niederrhein.

Kein Wunder. Die Stammesmühle spielte schon immer eine besondere Rolle in den deutsch-britischen Beziehungen. Dort befand sich die Relaisstation, über die die Krönung der Queen im Jahr 1953 ins Deutsche Fernsehen übertragen wurde. jetzt ist Elizabeth II. höchstpersönlich in Deutschland die Lords1 in der alten Windmühle haben einen antiken Holzthron für die Herrscherin reserviert. "Man kann ja nie wissen", sagt Sir Wolfram und schmunzelt. Die Gentlemen pflegen schließlich Kontakte zum Empire. Der Generalkonsul hat schon mal die Schirmherrschaft über eine Parade der Lords durch Hinsbeck (5123 Einwohner) übernommen.

Die Lords vom Niederrhein - sie sind Geigenbauer, MaschinenSchlosser, Diplom-Ingenieur, Phaima-Referent, Lehrer und Kaufmann von Beruf. Gestandene Männer - warum verehren sie das britische Königshaus?

"Von der gelassenen, souveränen Art der Queen könnten sich viele Politiker in Deutschland eine Scheibe abschneiden", erklärt Sir Erhard. "Sie selbst war noch nie in einen Skandal verwickelt, sie leistet ihren Dienst an Staat und Volk, auch wenn ihr der Wind schon mal stark ins Gesicht bläst."

Sollte die Queen den Lords zunicken, werden diese selbstverständlich Haltung bewahren. "Mir reicht es, ihr in die Augen zu sehen", sagt Sir Hermann.

Schweigen und genießen - very british eben.


1) eigentlich: Laird(s) = Landbesitzer - der Webmaster


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